Fachkräftebedarf

 

Der deutsche Arbeitsmarkt sieht sich derzeit insgesamt mit einem strukturellen Fachkräftedefizit konfrontiert, das durch Mängel im Bildungssystem und den demografischen Wandel noch gravierend verschärft wird.

Vor allem im Bereich der Hochqualifizierten sind Fachkräfteengpässe daher bereits heute deutlich spürbar. Zur Sicherung des Fachkräftebedarfs ist deswegen eine in sich schlüssige, kurz- und langfristig wirksame Gesamtstrategie notwendig.

Strukturelle Ursachen für Fachkräfteengpässe im Mint-Bereich

Allein im sog. MINT-Bereich fehlten im Februar 2016 knapp 150.000 Fachkräfte (MINT Zukunft, 2016). Aufgrund der demografischen Entwicklung wird die Zahl der Absolventen von MINT-Ausbildungsberufen künftig jährlich um rd. 100.000 unter dem Ersatzbedarf liegen, schon bis 2020 könnten so etwa 1,5 Mio. qualifizierte MINT-Arbeitskräfte fehlen (IW Köln, 2015).

Wegen des oft erheblichen „Mismatch“ zwischen angebotenen und nachgefragten Qualifikationen treten Fachkräfteengpässe darüber hinaus selbst bei relativ hoher Arbeitslosigkeit auf. Während es an Qualifizierten mangelt, stellen Geringqualifizierte etwa 48 % aller Arbeitslosen (BA, 2016).

Im Zuge des demografischen Wandels werden sich Fachkräfteengpässe zudem noch verschärfen: Bis 2030  könnte die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter (20 bis 65 Jahre) voraussichtlich um knapp 6 Mio. auf dann 44 Mio. sinken, sofern die Zuwanderung wieder auf das Niveau von vor der Wirtschaftskrise fällt (Stat. Bundesamt, 2015).

 

Potentiale von Migranten heben 

Um die Potenziale von Menschen mit Migrationshintergrund erfolgreicher heben zu können, müssen diese gezielter gefördert und zudem Wege gefunden werden, im Ausland erworbene Qualifikationen für den deutschen Arbeitsmarkt besser verwertbar zu machen.

Das Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen, das das Verfahren zur Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse ausweitet und verbessert, war insoweit ein wichtiger Schritt. Notwendig ist jedoch eine Vereinheitlichung der Anerkennungsverfahren, um mehr Transparenz und Verlässlichkeit zu schaffen und die Verfahren insgesamt zu beschleunigen.

Bildung und Qualifizierung

Neben der Fortsetzung der heute schon auf hohem Niveau durch die Unternehmen geleisteten Aus- und Weiterbildung – die Arbeitgeber investieren hier bereits knapp 60 Mrd. € pro Jahr – sind Reformen im Bildungssystem unerlässlich: zur Sicherstellung der Ausbildungsreife von Jugendlichen, für eine praxisorientierte Berufsorientierung an allen allgemeinbildenden Schulen, für eine Erhöhung der Zahl der Hochschulabsolventen insbesondere auch durch bessere Zugangsmöglichkeiten für beruflich Qualifizierte ohne Abitur und für eine Stärkung der MINT-Bildung im gesamten Bildungssystem.

Uwe Lehner schreibt
Ich bin staatlich geprüfter Elektrotechniker also Ingenieur am 2. Bildungsweg, ich habe festgestellt, dass seit 20 Jahren kein Fachkräftemangel, sondern Mangel an Stellenangeboten besteht. Bei einer Ing. Stelle soll man unter Mindestlohn arbeiten, ist man dazu nicht breit, werden ausländer per Werksvertrag hier eingestellt.
Deutsche müssen die freien Lücken im Ausland besetzen.
Das Arbeitsamt hat mir mehrmals gesagt, ich sei überqualifiziert und deshalb unvermittelbar.
Ich bin als Techniker (Ing.) bereits in Hartz IV.
Uwe

Daniel Jakubowski (Nordmetall) schreibt
Hallo Herr Lehner,
ein Mangel an Stellenangeboten für Ingenieure ist uns tatsächlich nicht bekannt (siehe z.B. den MINT-Frühjahrsreport 2013 http://bit.ly/12Vq2Cd), sondern es gibt in Deutschland tausende offene Stellen in den Unternehmen. AuchMindestlohn (welcher?) wird für Ingenieure sicher nicht bezahlt, sondern wie in unseren Branchen üblich normalerweise sehr viel mehr.
Ein Tipp: Prüfen Sie neben den Angeboten der Arbeitsagentur auch Stellenangebote in den vielen Internet-Stellenbörsen. Wir drücken Ihnen die Daumen, dass dort bald etwas für Sie dabei ist.
Mit freundlichen Grüßen
Daniel Jakubowski

Cassandra McCallahan schreibt
Der Ingenieurlohn bei Zeitarbeit bewegt sich im Rahmen von 17-18 Euro - das ist sowas wie der Minimallohn dort. Des Weiteren fußt der Stellenmangel hier darauf, dass Personalabteilungen der suchenden Unternehmen schlichtweg keine Berufsanfänger beschäftigten möchten, keine nicht 100%passgenauen Kandidaten, keine Älteren, keine mit ganz extrem speziellen Spezialkenntnissen etc. pp.

Daher bewerben sich immer mehr Jungingenieure im ÖD momentan wieder, weil die woanders keine Einstiegschancen haben - sehr oft. In Nord-DE werden kaum Ingenieure gebraucht, weil hier kaum Industrie vorhanden ist- mag in Süden ja anders sein. Ein Bekannter von mir hat als umweltschutztechnikingenieur erst seit einigen Jahren eine Teilzeitstelle beim Recycling- das restliche Gehalt kommt von der Post, wo er mit der anderen Teilzeitstelle Briefträger ist.
Davor hatte er JAHRELANG KEIN Ing-Stelle gefunden - erst seit kurzem die Halbe.

vor allem Junge und Ältere will keiner einstellen - -dann hat man natürlich einen Mangel, wenn auch einen Eingebildeten. Es gab mal in den 1990ern den großen Schweinezyklus -- momentan ist Maschinenbau zweitbeliebtestes Studiefach übrigens -- es kommen immer mehr Bewerber aus den Hochschulen, die bis zum Ende durchhalten. Die Löhne auch bei Ingenieuren haben sich unterdurchschnittlich entwickelt.

Cassandra McCallahan schreibt
Aber wahrscheinlich wird wieder gesagt "Umweltschutztechnik" ist aber nicht "MINT" genug - ist nicht knallharte Technik genug, ist ja Umwelt drin und so ein Gedöns?
ich bin das ja schon gewöhnt diese Einstellung, da ich Umweltwissenschaften studiere - da wird auch immer gesagt, die Wirtschaft hat an solchen "Ökos" kein Interesse --

Cassandra McCallahan schreibt
cooler Fachkräftemangel -- mir wurde bei der Berufsberatung der ARGE nun gesagt, für den Bereich Umwelt gibt es keinen Bedarf in ganz Norddeutschland -- warum? Weil die Gegend vom Arbeitsmarkt her klinisch tot ist im Norden - Minijobs haben wir ohne Ende -- in manchen Landkreisen schon 45% der Frauen und 35% aller Arebitnehmer -- aber richtige Stellen? Und dann so mies bezahlt! Hab ja schon eine Ausbildung -- aber das ist ein sterbender Beruf für den man ausgebildet wurde, denn es gibt kaum Stellenausschreibungen und nun mit dem Studium sagt mir wieder eine "in Norddeutschland" gibt es keinen Bedarf - das Ding sei nicht "Ingenieur" genug und in DE akzeptiert man nunmal nur "passgenaue", keine Quereinsteiger und nichts --- ich überlege auszuwandern, da es in DE zu wenig Bedarf für Menschen gibt, die Arbeit suchen. Norden ist strukturschwach und der Arbeitsmarkt hat fast nur Billigjobs oder gar nichts. Dafür bin ich nicht bereit zu arbeiten -- cooler "Fachkräftemangel"

Daniel Jakubowski (Nordmetall) schreibt
Hallo Frau McCallahan,
wir zählen Umweltschutztechnik schon zu den MINT-Berufen, auch wenn es da keine feststehehende Zuordnung gibt. Aber es kann natürlich trotzdem sein, dass es für eine bestimmte Qualifikation in einer bestimmten Region keine oder nur sehr geringe Angebote gibt, in anderen Regionen aber durchaus. Das liegt in der Natur des Arbeitsmarktes.
Wir wissen aber sehr wohl von unseren Firmen, dass sie bei Fachkräftemangel durchaus auch "Quereinsteiger" aus ähnlichen Berufen/Studiengängen nehmen und entsprechend qualifizieren, sofern dies bei dem jeweiligen Arbeitsplatz sinnvoll und möglich ist.
Sie sprechen die Löhne in der Zeitarbeit an: Hier sind 17-18 Euro tatsächlich der Stundenlohn in den obersten Entgeltgruppen des Zeitarbeit-Tarifvertrages (der übrigens nicht von uns, sondern den Zeitarbeitsverbänden verhandelt wird). Allerdings kommen in der M+E-Industrie bis zu 50% Zuschläge hinzu, Details siehe http://www.gesamtmetall.de/gesamtmetall/meonline.nsf/id/Handlungsempfehlungen-Zeitarbeit/$file/Handlungsleitfaden-Zeitarbeit.pdf Das sind dann über 25 Euro Stundenlohn und das kann man schwerlich als Billgjob bezeichnen.
Wir wünschen Ihnen, dass Sie bald eine passende Beschäftigung in der Metall- und Elektroindustrie finden.
Schöne Grüße von NORDMETALL

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