Förderung der Ausbildungsreife

 

Der Wettbewerb um leistungsfähige Schulabgängerinnen und Schulabgänger nimmt beständig zu. Noch im vergangenen Jahrzehnt stand die Versorgung der Schulabgänger im Vordergrund. Inzwischen hat sich die Situation am Ausbildungsmarkt spürbar verändert: Das duale System verliert gegenüber seinem Höchststand um die Jahrhundertwende fast ein Fünftel der Neuzugänge und büßt relativ an Gewicht ein. Die Zahl der Neuzugänge zur beruflichen Bildung nimmt folglich stetig ab. Immer mehr Unternehmen können ihre angebotenen Ausbildungsstellen nicht besetzen. Weiterhin bringt der technologische Wandel steigende Anforderungen in den Ausbildungsberufen mit sich. Die Kompetenzen und Leistungen von Jugendlichen haben hier nicht Schritt gehalten.

 

Vielen Schulabgängerinnen und Schulabgängern weisen gravierende Defizite in grundlegenden Kulturtechniken wie Rechnen und Rechtschreibung auf. Diese Defizite sind Teil der mangelnden Ausbildungsreife vieler junger Menschen. So finden sich über 250.000 Jugendliche in dem sogenannten Übergangsystem wieder, das sie auf eine Ausbildung vorbereiten soll. Angesichts des demografischen Wandels stellt sich die Frage, was die Wirtschaft tun kann, um die Ausbildungsplätze mit geeigneten Bewerbern besetzen zu können, ohne ihre Anforderungen zu stark zurückschrauben.

Bildergalerie

Die Zahl der Bewerber geht zurück

Um den steigenden Ansprüchen in den Ausbildungsberufen begegnen zu können, sollten Lehrstellenbewerber gute Qualifikationen und Motivation mitbringen. Viele Unternehmen orientieren bei der Suche nach geeigneten Auszubildenden deshalb an höheren Schulabschlüssen. Doch während die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze steigt, geht die Zahl der potenziellen Bewerber zurück. Trotz dieser Entwicklung sind einzelne Bewerbergruppen für viele Unternehmen weiterhin unattraktiv. Dazu zählen vor allem Jugendliche, die als nicht ausbildungsreif gelten.

Die Ausbildungsreife kann an den Schulleistungen sowie dem Schulabschluss festgemacht werden. Doch gerade in den grundlegenden Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen weisen viele Schüler Defizite auf. Die Ergebnisse der PISA-Studie 2012 zeigen beispielsweise, dass 18 Prozent der Schülerinnen und Schüler nur über eine sehr schwache Lesekompetenz verfügen. Das heißt, sie können nicht selbständig verschiedene Informationen aus Texten entnehmen und damit auch nicht selbstständig mit Texten lernen – eine wichtige Voraussetzung für die Berufsausbildung.

Jugendliche mit schwacher Lesekompetenz sind besonders häufig in Hauptschulen anzutreffen. Fast die Hälfte aller Hauptschüler gehört zur Gruppe der schwachen Leser. Leseaufgaben kommen jedoch in vielen Ausbildungssituationen vor. Deshalb wird Jugendlichen ohne oder mit einem Hauptschulabschluss besonders häufig eine mangelnde Ausbildungsreife zugesprochen. Dies geht damit einher, dass diese Jugendlichen überproportional häufig in das sogenannte Übergangssystem einmünden und berufsvorbereitende Maßnahmen absolvieren.

Ob ein junger Mensch ausbildungsreif ist, definiert sich jedoch nicht nur über den Schulabschluss. Hinzu kommen weitere Aspekte wie beispielsweise Kenntnisse und Verständnis über die Grundlagen der Kultur, Werte oder soziale Kompetenz. Faktoren wie Motivation und Interesse an bestimmten Aufgabenfeldern sind ebenfalls nicht zu unterschätzen.

 

Kompetenzen und Fähigkeiten fördern

Zur Verbesserung der Ausbildungsreife junger Menschen kann die Wirtschaft schon vor der Berufsausbildung einen Beitrag leisten. Vor allem in der Berufsorientierung und der Berufsvorbereitung bieten sich vielfältige Möglichkeiten, um die Kompetenzen und Fähigkeiten von Jugendlichen zu fördern und diese in ihrem Berufswahlprozess zu unterstützen. Knapp zwei Drittel der ausbildenden Unternehmen bieten bereits interne Programme zur Förderung der Ausbildungsreife an.

Die Kooperation von Unternehmen mit Schulen und Jugendlichen kann auf vielfältige Weise erfolgen, beispielsweise durch:

  • (Schüler-)Praktika
  • Betriebsbesichtigungen
  • Berufsorientierungstage
  • Übernahme von Patenschaften für Schülerfirmen

Auf diese Weise bekommen auch benachteiligte Jugendlichen eine Chance, die Berufs- und Arbeitswelt besser kennenzulernen. Hiervon profitieren Unternehmen, wenn sie sich neuen Zielgruppen für die Ausbildung öffnen. Sie haben die Chance, junge Schulabsolventen besser kennenzulernen und benachteiligte Gruppen schon frühzeitig in die Ausbildung zu integrieren. Hierdurch kann die Ausbildungsreife gezielt gefördert und die Diskrepanz zwischen freien Ausbildungsstellen und unpassenden Lehrstellenbewerbern reduziert werden.

Ansprechpartner

Projekte zum Thema

Ähnliche Themen

Literatur

Autorengruppe Bildungsberichterstattung, 2014, Bildung in Deutschland 2014, Bielefeld

Prenzel, Manfred / Sälzer, Christine / Klieme, Eckhard / Köller Olaf (Hrsg.), 2013. PISA 2012. Fortschritte und Herausforderungen in Deutschland. Münster.

Werner, Dirk / Neumann, Michael / Erdmann, Vera, 2010, Qualifizierungsmonitor – Empiriegestütztes Monitoring zur Qualifizierungssituation in Deutschland (Projekt-Schlussbericht),

Zum Dokument