Frühkindliche Bildung

 

Der Besuch einer frühkindlichen Einrichtung führt oftmals zu höheren kognitiven und sozialen Kompetenzen. Insbesondere Kinder aus bildungsfernen Schichten oder Kinder von Alleinerziehenden können durch eine gute, frühe Förderung profitieren.

Analysen auf Basis der PISA-Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass sich die Schulleistungen - insbesondere auch die in den Naturwissenschaften – durch den Besuch einer Kindertageseinrichtung deutlich verbessern lassen. Jugendliche, die als Drei- bis Sechsjährige länger als ein Jahr einen Kindergarten besucht haben, weisen bessere Schulleistungen auf als gleichaltrige Mitschüler, die nur kurz oder gar nicht in der Kita waren. Dieser Fördereffekt ist beispielsweise bei Kindern von Alleinerziehenden noch größer als beim Nachwuchs aus Paarfamilien (siehe Grafik in der Bildergalerie und Artikel). Besuchen Kinder aus Ein-Eltern-Familien für mehr als ein Jahr einen Kindergarten, dann haben sie als Jugendliche in den Naturwissenschaften eine um 54 PISA-Punkte höhere Kompetenz – das entspricht dem Lernzuwachs von mehr als einem Schuljahr. Bei Kindern aus Paarfamilien steigen die Kompetenzen nur um 26 Punkte.

17 Prozent der Kinder von Alleinerziehenden, die den Kindergarten länger als 1 Jahr besucht haben, weisen mit 15 Jahren geringe Kompetenzwerte in den Naturwissenschaften auf, 74 Prozent weisen mittlere und 9 Prozent hohe Kompetenzwerte auf.

Bildergalerie

Eine frühe Förderung der Kinder kann damit zu höheren Kompetenzen und folglich auch zu höheren Bildungsabschlüssen führen. Sie kann dazu beitragen, dass diese Kinder später eher ein Gymnasium besuchen als Kinder, die nicht in Kinderkrippe und Kindergarten betreut wurden.

Durch einen Ausbau der Kinderbetreuungsplätze insbesondere für Kinder unter drei Jahren, einen Ausbau der Ganztagsbetreuung und eine Erhöhung der Beteiligungsraten von Kindern aus bildungsfernen Haushalten kann damit ein Beitrag zur zukünftigen Fachkräftesicherung geleistet werden, indem die Kompetenzen und Bildungsabschlüsse dieser Kinder erhöht werden.

Da gegenwärtig aber vor allem Engpässe im Bereich der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) vorliegen, ist es neben einer allgemeinen Steigerung der Kompetenzen der Kinder besonders wichtig, ihr Interesse für naturwissenschaftliche Fächer schon frühzeitig zu wecken. Damit kann möglicherweise das spätere Berufswahlverhalten beeinflusst werden, legt die Untersuchung der PISA-Ergebnisse nahe.

In der PISA-Erhebung aus dem Jahr 2006 wurden die 15jährigen Kinder danach befragt, ob sie eine naturwissenschaftliche Berufskarriere bzw. eine Karriere in den Bereichen Ingenieurwissenschaften und Informatik planen (Tabelle 2). Das Ergebnis: Nur 25,8 Prozent der befragten 15jährigen Kinder gaben an, eine naturwissenschaftliche Karriere zu planen. Für den Bereich Ingenieurwissenschaften und Informatik lag die Zahl mit 8,9 Prozent noch erheblich niedriger. Im Vergleich zu anderen europäischen Staaten sind das niedrige Zahlen.

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Literatur

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